Das Alumni-Referat zu Gast im Rathaus…

…bei Lukas Hartmann, Hauptamtlicher Beigeordneter der Stadt Landau und Mitglied des Stadtvorstandes seit November 2019

Lieber Herr Hartmann, die Ressortzusammensetzung, der Sie als Beigeordneter vorstehen, ist beeindruckend, kein Thema dabei, bei dem Ihnen jemals die Arbeit ausgehen wird, insofern vielen Dank dafür, dass Sie sich Zeit für dieses Gespräch nehmen.

Sie haben am Campus Landau der Universität Koblenz-Landau studiert – welchen Abschluss haben Sie gemacht? Welche Schwerpunkte haben Sie studiert?

Ich habe von 2009 bis 2014 studiert und einen lehramtsbezogenen Bachelor sowie einen Master of Education erworben in den Fächern Philosophie, Politologie und Bildungswissenschaften.

Warum ein Studium in Landau?

Landau war nicht die einzige Universität, bei der ich mich beworben habe. Aber den Ausschlag gab, dass ich meine Latinums-Prüfung in der Oberstufe „versemmelt“ habe. In Landau konnte ich aber damals meine Fächerkombination ohne Latinum studieren.

Sie wollten zunächst Lehrer werden?

Ja, da ich von der Hauptschule kam, die später, mit der Abschaffung der Hauptschulen in Rheinland-Pfalz, in eine Realschule Plus umgewandelt wurde, wollte ich Realschullehrer werden. Dann hatte ich aber so viel gefallen Gefallen an Philosophie, dass ich schließlich auf gymnasiales Lehramt umgeschwenkt bin.

Von der Hauptschule zum erfolgreich abgeschlossenen Philosophiestudium – das ist beeindruckend und Sie sind damit ein gutes Beispiel für die Durchlässigkeit des Bildungssystems. Da ist in Deutschland doch einiges möglich, wenn man nur weiß, was man will…

Wenn man so will, kann man das so sagen. Ich bin der Erste in der Familie, der Abitur gemacht hat und der Erste, der – mit BAföG übrigens – studiert hat.

Was wurde aus Ihren Plänen, Lehrer zu werden?

Trotz eines sehr guten Abschlusses habe ich beim ersten Versuch zunächst keinen Platz für das Referendariat bekommen. Zugleich hat es mich gereizt, mich einer Promotion zu widmen. Deswegen habe ich die Stelle eines Wissenschaftlichen Mitarbeiters angenommen. Damit ging natürlich auch Lehrverpflichtung einher und diese Arbeit mit den Studierenden hat mir sehr viel Freude gemacht.

Was haben Sie im Studium als prägend empfunden?

Die Dozenten in der Philosophie, exemplarisch seien hier Frau Professor Vidal und Herr Professor Bermes in all ihrer Unterschiedlichkeit genannt. Meine Entscheidung 2009 Mitglied bei den „Grünen“ zu werden, war tatsächlich auch durch ein von Professor Bermes angebotenes Seminar über „Das Prinzip Verantwortung“ von Hans Jonas beeinflusst. Die „Grünen“ schienen mir außerdem die Partei zu sein, die auch jungen Menschen eine Chance gibt, und sie entsprachen meinen politischen Überzeugungen: Klimaschutz, Verantwortung, Zukunft. So kam ich in die Politik.

Waren Sie auch in studentischen Initiativen – politisch – engagiert?

Ja, ich bin Mitbegründer von Campus Grün in Landau, eine Initiative, die an vielen deutschen Hochschulstandorten aktiv ist und den „Grünen“ nahesteht. Außerdem war ich von 2012 bis 2014 im Studierendenparlament aktiv. Sophia Maroc und ich waren 2014 nach 24 Jahren die ersten Studierenden der Universität in Landau im Stadtrat. Ansonsten habe ich tatsächlich leider etwas zu zügig und innerhalb der Regelstudienzeit durchstudiert.

Kann man das überhaupt – „zu zügig“ durchstudieren?

Ja! Wenn ich es noch einmal könnte, würde ich mir zwei Semester länger Zeit lassen. Ich war zwar in einigen Seminaren mehr, als ich gemusst hätte, aber es ist ein wenig so, dass ich im Laufe des Studiums merkte, wie viel ich nicht weiß und noch nicht gelesen habe. Man lernt zwar im Amt auch jeden Tag etwas, aber es ist etwas völlig anderes als Studieren.

Später konnten Sie Erfahrungen in der „praktischen“ Politik im Landauer Stadtrat sammeln?

Von 2014 bis 2019 war ich Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat, zu der Zeit die größte oppositionelle Fraktion. Das war eine spannende Erfahrung, wobei wir natürlich als Grüne seit der Kommunalwahl letztes Jahr bis heute mehr erreicht haben als in den fünf Jahren Opposition.

Das politische Tagesgeschäft war Ihnen also nicht fremd. Gibt es dennoch etwas, was Sie jetzt in Ihrem Amt überrascht?

Ich wusste, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Landau gute Arbeit machen. Aber wie vorbehaltlos und positiv ich unterstützt würde, das war wirklich überraschend schön. Ohne diese Menschen könnte ich wenig erreichen. Umso dankbarer bin ich ihnen.

Sie sprachen vorhin von den Errungenschaften, auf die Sie nach kurzer Zeit zurückblicken. Können Sie das etwas konkretisieren?

Wir konnten den geplanten Flächenverbrauch bei Neubaugebieten um über 30 Hektar reduzieren, gleichzeitig wurde aber nicht eine Wohnung weggestrichen. Stattdessen wird es im Europaviertel viel geförderten Mietwohnungsbau und Baugemeinschaften geben. Und beim Klimaschutz machen wir große Schritte durch die Versechsfachung der Infrastrukturmittel, das Förderprogramm „Klimaschutz durch Radverkehr“, die Neuordnung der Innenstadtmobilität und der Arbeit an einem neuen Stadtbussystem. Außerdem haben wir die Schankerlaubnissteuer abgeschafft, was in einer Studierendenstadt neuen Bars und Clubs und Restaurants hilft.

Das ist beachtlich. Ich werde nun zum Schluss schlagwortartig Ihre Ressorts nennen und Sie antworten kurz, prägnant und spontan, was Iihnen dazu einfällt.

Umwelt und Klimaschutz?

In beiden Bereichen wurde schon manches gemacht, beides kommt allerdings nicht ohne mehr Anstrengungen bei Bauen und Mobilität aus. Mehr Photovoltaik und mittelfristig auch Windräder, das fällt mir noch dazu ein.

Mobilität?

Endlich Verkehrswende! – es gilt, den ÖPNV und den Radverkehr zu stärken. Auch Zufußgehen sollte wieder in Mode kommen…

Ordnung?

Ist natürlich nicht so eindeutig und konfliktfrei wie Umwelt und Verkehr. Lassen Sie es mich so sagen – öffentliche Räume gehören allen. Und bei gegenseitiger Rücksichtsname muss es möglich sein, dass die einen ihren Schlaf bekommen, und die anderen auch im Sommer einen Ort zum Treffen und Reden haben. Das gerade gilt auch für den Südpark.

Städtische Liegenschaften und städtischer Wohnungsbau?

Wir gründen (endlich) eine Wohnungsbaugesellschaft!

Universitätsstadt

Ich bin jetzt noch siebeneinhalb Jahre im Amt. Am Ende meiner Amtszeit soll es in Landau an der Universität noch diese Fächerauswahl und diese Anzahl an Studierenden geben wie jetzt – dafür werde ich mich einsetzen.

Das ist ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das Gespräch.

Lukas Hartmann wurde 1989 in Speyer geboren. Nach der mittleren Reife an der Peter-Gärtner-Schule in Böhl-Iggelheim und dem Abitur am Hannah-Arendt-Gymnasium in Haßloch studierte er am Campus Landau der Universität Koblenz-Landau Philosophie, Politologie und Bildungswissenschaften und erwarb einen lehramtsbezogenen Bachelor und einen Master. Parallel dazu engagierte er sich bei den Grünen. Bei der Stadtratswahl 2019 wurden die Grünen mit ihm als Spitzenkandidaten stärkste Kraft (26,2%). Im November 2019 wurde er zum ersten hauptamtlichen Beigeordneten seiner Partei in Landau und bis dato jüngsten deutschlandweit für die Grünen. Seine Zuständigkeiten sind Umwelt und Klimaschutz, Mobilität und Ordnung, städtische Gebäude und städtischer Wohnungsbau sowie Universitätsstadt. Seine Promotion zum Thema „Das Politische Ernst Blochs“ ruht seitdem.


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